Beurteilungsspielräume und das Kindeswohl im Kinderschutz

Laufzeit: 2017 bis 2022

Forschungszentrum: Center for the Research on Discretion and Paternalism

Leitung: Prof. Dr. Marit Skivenes, University of Bergen

Das Forschungsprojekt „Beurteilungsspielräume und das Kindeswohl im Kinderschutz ” beabsichtigt die Blackbox zu öffnen, in der sich Handlungsspielräume bei der Entscheidungsfindung in Kinderschutzfällen entfalten. Hierzu wird eine empirische vergleichende Studie durchgeführt zur Frage, wie die Ermessensentscheidungen gefällt und zum Wohl des Kindes gerechtfertigt werden. Die Forschungslücken in diesem wichtigen Bereich der Wohlfahrtsstaatlichkeit sind groß, gehen einher mit einem gehörigen Maß an Unsicherheit hinsichtlich des Wie, Wann und Warum. Ermessensentscheidungen zum Kindeswohl unterscheiden sich zwischen den Entscheider*innen – sowohl innerhalb als auch im Vergleich verschiedener Kinderschutzsysteme.
 

Hauptziele des Projekt sind, die Mechnismen bei der Ausfüllung der Beurteilungsspielräume zu entschlüsseln und das Verstehen des Kindeswohlprinzips zu verbessern. Diese Ziele werden erreicht, indem die institutionellen, organisationalen und individuellen Faktoren, inklusive der Regelungen zum Kindeswohl, systematisch untersucht werden: Ausgestaltung der Gerichte, der Kinderschutzsysteme, der demographischen Faktoren und individuellen Werte sowie der Sicht der Bevölkerung auf Kinder und Paternalismus. DISCRETION setzt einen innovativen methodologischen Ansatz ein, mit mehrstufigen und international vergleichenden Untersuchungen. Mit randomisierten Befragungsexperimenten sowohl mit Entscheidungsträgern im Kinderschutzsystem als auch mit der allgemeinen Bevölkerung wird es einzigartige Daten generieren zu möglichen Kausalzusammenhängen, die Unterschiede in den der Ausübung der Beurteilungsspielräume beim Entscheiden erkären.

 

Prof. Marit Skivenes: „Das Projekt wird, indem es die bislang größte international vergleichende Studie zur Entscheidungsfindung im Kinderschutz durchführt, unser Verstehen zu den Unterschiedlichkeiten beim Schutz von Kindern in verschiedenen Ländern auf ein neues Level.“ 

 

Die Ergebnisse von DISCRETION sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil Gesellschaften an einer Wegscheide stehen, wenn zur Frage kommt, wie sie mit Kindern umgehen und wie ihre Rechte anerkannt werden. Hierbei entstehen Spannungsfelder im traditionellen Verhältnis zwischen Familien und Staat. DISCRETION wird sich über den Bereich des Kinderschutzes hinaus bewegen und wichtige Einblicke geben in die Ausgestaltung von Handlungsspielräumen in allen Feldern, in denen sowohl öffentliche als auch nationale Interessen zu deuten sind.

 

Leitende Forscherin ist Professorin Marit Skivenes. Für das DISCRETION Projekt wurde Skivenes der „ERC Consolidator Grant“ zuerkannt. Der ERC Consolidator Grant ist konzipiert, um exzellente Principal Investigators (PIs) zu unterstützen bei der Etablierung ihres unabhängigen Forschungsteams und -programms. Leitende Forscherinnen (PIs) müssen mit ihrem wissenschaftlichen Vorhaben bahnbrechenden Chararkter, Zielsetzungen und Machbarkeit aufweisen. Die Forschungsausschreibungen des European Research Council operieren auf einer ‘bottom-up’-Basis ohne vorgegebene Prioritäten und Schwerpunkte. Sie ermutigen insbesondere interdisziplinäre Anträge, die Grenzen überschreiten zwischen verschiedenen Forschungsbereichen, neue und sich entwickelnde Forschungsfelder in Pionierarbeit betreten oder unkonventionelle, innovative Herangehensweisen und wissenschaftliche Erfindungen umsetzen.

 

Das SOCLES ist assoziierter Partner im Projekt.

 

Gefördert / Finanziert durch:

Kontakt:

Dr. Thomas Meysen

T +49 (0)6221 655 81-01

meysen@socles.de

 

Internationaler Vergleich zu nationalen statistischen Erhebungen sowie darauf aufbauender Formen der Berichterstattung zu Gefährdungsmeldungen und -einschätzungen als Maßnahmen zur Umsetzung des hoheitlichen Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung

Laufzeit: 1. Juli 2017 bis 31. März 2018

Projektnehmer: Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V.

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, weltweit vorhandene nationale Statistiken und Forschungsdaten zu Gefährdungsmeldungen und Gefährdungseinschätzungen zu identifizieren. Anhand der erlangten Datensätze wird geprüft, inwieweit die jeweiligen nationalen Daten und das Kinderschutzsystem des zu betrachtenden Landes einen Vergleich mit Auswertungsdimensionen der amtlichen Statistik zu § 8a SGB VIII ermöglichen. Mit dem Ziel einer vergleichenden Gegenüberstellung relevanter Kennzahlen und Indikatoren wird eine Expertise mit den möglichen und tatsächlichen Auswertungsperspektiven der in anderen Staaten verfügbaren Daten erstellt. Hierbei werden die vorhandenen oder im Rahmen des Auftrags recherchierbaren Informationen über das ausländische System und dessen Verfahren der Informationsweitergabe/Meldung sowie Gefährdungseinschätzung beschrieben. Die Expertise beschreibt hierbei insbesondere

  • die Erhebungsmerkmale und -zeiträume,

  • relevante Melder(gruppen),

  • die Erhebungs- bzw. Berichtsrhythmen,

  • das Vorhandensein und die Verfügbarkeit der Daten,

  • Grundzüge des nationalen Kinderschutzsystems.

In der Expertise werden rechtlich-organisatorische sowie, soweit möglich, sozio-kulturelle Parameter dargestellt, die bei einem Vergleich der Zahlen zwischen den Systemen ggf. zu berücksichtigen sind. Außerdem werden erste Hinweise gegeben und Hypothesen aufgestellt zur Deutung von Mustern, Ähnlichkeiten und Divergenzen.

Das Projekt wurde im Rahmen der „Entwicklung eines kleinräumigen Indikatorensystems Frühe Hilfen“ durch den Forschungsverbund DJI/TU Dortmund beauftragt. Sie wird gefördert vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das NZFH wird getragen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI). Projektnehmer ist das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF). Die Durchführung der Erhebung, deren Auswertung und die Erstellung der Expertise erfolgten durch Dr. Thomas Meysen, auch nach Ende der Beschäftigung beim DIJuF zum 31. Dezember 2017.

Gefördert / Finanziert durch:

Kontakt:

Dr. Thomas Meysen

T +49 (0)6221 655 81-01

meysen@socles.de

SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies gGmbH 

Poststr. 46

D-69115 Heidelberg