SOCLES Kinderschutz
 

Fallstudie zur Arbeit der Jugendämter und anderer Institutionen im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch

Laufzeit: August 2021 bis Juli 2022

Projektpartner:

  • SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies

  • Deutsches Jugendinstitut München 

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In der „Fallstudie Jugendämter“ untersuchen wir im SOCLES gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI) im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wie sich die Arbeit von Jugendämtern, ggf. im Zusammenwirken von Familiengerichten und Trägern der Jugendhilfe, auf Betroffene von sexuellem Missbrauch auswirkt. 

Die Jugendämter stellen eine zentrale Institution dar, um bei sexuellem Missbrauch Schutzmaßnahmen einzuleiten oder in der Folge Hilfen zu erbringen. Das Gelingen hängt von strukturellen Faktoren und individuellen Handlungsweisen ab, die in Wechselwirkung mit anderen Beteiligten und unter bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen stattfinden. Inwieweit bei der Sicherstellung von Schutz und Gewährung von Hilfen die Angaben, Sicht- und Erlebensweisen von Betroffenen Niederschlag finden und welchen Stellenwert sie haben, wird ebenfalls untersucht. 

Mit Blick auf ein Recht auf Aufarbeitung und die Weiterentwicklung des Kinderschutzes sollen Ideen entwickelt werden, welche Strukturen und Rahmenbedingungen die Institution Jugendamt dabei unterstützen können, unter Beachtung von Beteiligungsrechten schützend und unterstützend tätig zu werden und die Erfahrungen von Betroffenen in einen Prozess der Qualitätsentwicklung einzubringen.

Die Fallstudie zur Arbeit der Jugendämter und anderer Institutionen im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch reiht sich in bisherige Fallstudien im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ein (Andresen et al. 2021; Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs 2019; Mitzscherlich u.a. 2019, Kowalski 2018).

Methodisches Vorgehen

Auswertung der Anhörungsprotokolle und schriftlichen Berichte

Durch eine systematische Analyse der Protokolle vertraulicher Anhörungen und schriftlicher Berichte von Erwachsenen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexuellen Missbrauch erfahren haben, sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich in der Vergangenheit die Arbeit von Jugendämtern auf das Auftreten und die Beendigung von sexuellem Missbrauch sowie die Bearbeitung der Folgen in unterschiedlichen Kontexten ausgewirkt hat. Die Auswertung ausschließlich pseudonymisierten Transkripte und pseudonymisierten Berichte durch die Wissenschaftler:innen erfolgt anhand bestimmter Fragestellungen. Die Erkenntnisse daraus werden als Fallstudien in anonymisierter Form veröffentlicht. 

Analyse der Jugendamtsakten

In einzelnen Fällen sollen – soweit die Betroffenen zustimmen – auch Jugendamtsakten ausgewertet werden, um das institutionelle Handeln und die Beteiligung der Betroffenen in den Blick zu nehmen. Der Fokus liegt hier auf der Rekonstruktion, welchen Eigenlogiken und Einflüsse das Handeln der Institutionen geprägt haben und wie diese sich darauf ausgewirkt haben, wie die Stimmen der Betroffenen seinerzeit gehört wurden und wie sie beteiligt wurden, inwieweit Hinweise auf sexualisierte Gewalt als solche eingeordnet wurden, welche Reaktionen mit welchen Begründungen erfolgt sind. Es geht darum, exemplarische Einblicke in die Bearbeitung von Fällen sexueller Gewalt in der jeweiligen Zeit, den beteiligten Institutionen und im Verhältnis zum jeweils geltenden rechtlichen Rahmen zu gewinnen. 

Zeitgeschichtliche Einordung durch Zeitzeug*inneninterviews

Interviews mit Expert*innen –  Leitungskräften, die in den 1990er Jahren im Jugendamt bzw. im ASD tätig waren oder von Fachberatungsstellen – werden anhand eines Leitfadens geführt, um die übliche Praxis in dieser Zeit zu beleuchten und sie mit der jeweiligen Rechtslage in Beziehung zu setzen, etwa der Kindschaftsrechtsreform 1998 oder der Einführung des § 8a SGB VIII im Jahr 2005. Die historische Jugendhilfeforschung wird in einer Arbeitsgruppe, die das Projekt begleitet, ebenso vertreten sein wie der Betroffenenrat, die Aufarbeitungskommission und eine Jugendamtsvertretung. In der Arbeitsgruppe sollen der Forschungsprozess und die Ergebnisse der Analyse sowie die daraus abgeleiteten Empfehlungen kritisch reflektiert werden.

Erarbeitung von Empfehlungen

Welche schützenden, unterstützenden oder auch belasteten Auswirkungen verschiedene Vorgehensweisen haben, wie sich institutionelle Zusammenarbeit bzw. fehlende Kooperation auswirken, soll in Empfehlungen herausgearbeitet werden. Diese richten sich sowohl an die Praxis und Fachöffentlichkeit als auch an Politik und die allgemeine Öffentlichkeit. Der Datenschutz wird im Projekt nach strengsten Voraussetzungen gewahrt. 

 

Referenzliteratur:

  • Andresen, Sabine/Demant, Marie/Galliker, Anna/Rott, Luzia (2021): Sexuelle Gewalt in der Familie Gesellschaftliche Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche von 1945 bis in die Gegenwart. Studie. Hg. v. Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Berlin (Geschichten, die zählen)

  • Kowalski, Marlene (2018): Sexueller Kindesmissbrauch im Kontext der evangelischen und katholischen Kirche. Fallanalyse. Hg. v. Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Berlin (Geschichten, die zählen)

  • Mitzscherlich, Beate/Wustmann, Cornelia/Ahbe, Thomas/Diedrich, Ulrike/Eisewicht, Paul (2019): Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR, Berlin (Geschichten, die zählen)

  • Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (2019): „Geschichten, die zählen“. Bilanzbericht 2019. Band I. Berlin

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Kontakt:

Dr. Thomas Meysen

T +49 (0)6221 655 81-01

meysen@socles.de

 

Kinderschutz in Zeiten von Corona (KiZCo)

Laufzeit: August 2020 bis Dezember 2020

Projektpartner:

  • Deutsches Jugendinstitut e.V 

  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen 

  • SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies

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Die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben zu einer Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen geführt. Insbesondere Familien mit Kindern sind von diesen betroffen, da Bildungs- und Unterstützungsangebote für diese stark eingeschränkt bzw. verändert wurden.  Das Projekt Kinderschutz in Zeiten von Corona (KiZCo) wendet sich in diesem Kontext, dem Themenfeld der Ausgestaltung der Kinderschutzpraxis unter der veränderten Situation in Deutschland zu. Ziel des Projektes ist es, Veränderungen, Herausforderungen und Lösungsstrategien in der Kinderschutzpraxis in Jugendämtern zu beschreiben und in institutionelle Rahmenbedingungen einzubetten. 

Anhand von leitfadengestützen Telefoninterviews mit ASD-Gruppenleitungen aus Jugendämtern werden in einer ersten Erhebungswelle die Entwicklungen des Kinderschutzhandelns von Beginn der Pandemie bis zum Befragungszeitpunkt erhoben. In einer zweiten Erhebungswelle im Herbst 2020 werden diese Jugendämter erneut befragt. Hierbei geht es um die langfristige Veränderung und Weiterentwicklung des Kinderschutzhandelns aufgrund der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie. Der Fokus liegt hier neben den Risiken für die Qualitätsentwicklung im Kinderschutz auch auf Chancen im Sinne eines Lernens aus den Erfahrungen. 

Anhand der aus der Befragung gewonnenen Erkenntnisse wird der bereits bestehende Wissensstand zur jugendamtlichen Kinderschutzpraxis in Zeiten von Corona ergänzt und weiterentwickelt. Ein wesentliches Ziel ist es den Diskurs in der Praxis konstruktiv zu unterstützen. So sollen Ideen und gegebenenfalls Empfehlungen für eine Anpassung des Kinderschutzhandelns in anhaltenden Zeiten von Kontaktbeschränkungen gegeben sowie mögliche Lehren – auch über die Corona-Pandemie hinaus –  für das zukünftige Kinderschutzhandeln formuliert werden.

Gefördert / Finanziert durch:

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Kontakt:

Lydia Schönecker

T +49 (0)6221 655 81 02

schoenecker@socles.de

 

Das Forschungsprojekt „Beurteilungsspielräume und das Kindeswohl im Kinderschutz ” beabsichtigt die Blackbox zu öffnen, in der sich Handlungsspielräume bei der Entscheidungsfindung in Kinderschutzfällen entfalten. Hierzu wird eine empirische vergleichende Studie durchgeführt zur Frage, wie die Ermessensentscheidungen gefällt und zum Wohl des Kindes gerechtfertigt werden. Die Forschungslücken in diesem wichtigen Bereich der Wohlfahrtsstaatlichkeit sind groß, gehen einher mit einem gehörigen Maß an Unsicherheit hinsichtlich des Wie, Wann und Warum. Ermessensentscheidungen zum Kindeswohl unterscheiden sich zwischen den Entscheider*innen – sowohl innerhalb als auch im Vergleich verschiedener Kinderschutzsysteme.
 

Hauptziele des Projekt sind, die Mechnismen bei der Ausfüllung der Beurteilungsspielräume zu entschlüsseln und das Verstehen des Kindeswohlprinzips zu verbessern. Diese Ziele werden erreicht, indem die institutionellen, organisationalen und individuellen Faktoren, inklusive der Regelungen zum Kindeswohl, systematisch untersucht werden: Ausgestaltung der Gerichte, der Kinderschutzsysteme, der demographischen Faktoren und individuellen Werte sowie der Sicht der Bevölkerung auf Kinder und Paternalismus. DISCRETION setzt einen innovativen methodologischen Ansatz ein, mit mehrstufigen und international vergleichenden Untersuchungen. Mit randomisierten Befragungsexperimenten sowohl mit Entscheidungsträgern im Kinderschutzsystem als auch mit der allgemeinen Bevölkerung wird es einzigartige Daten generieren zu möglichen Kausalzusammenhängen, die Unterschiede in den der Ausübung der Beurteilungsspielräume beim Entscheiden erkären.

 

Prof. Marit Skivenes: „Das Projekt wird, indem es die bislang größte international vergleichende Studie zur Entscheidungsfindung im Kinderschutz durchführt, unser Verstehen zu den Unterschiedlichkeiten beim Schutz von Kindern in verschiedenen Ländern auf ein neues Level.“ 

 

Die Ergebnisse von DISCRETION sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil Gesellschaften an einer Wegscheide stehen, wenn zur Frage kommt, wie sie mit Kindern umgehen und wie ihre Rechte anerkannt werden. Hierbei entstehen Spannungsfelder im traditionellen Verhältnis zwischen Familien und Staat. DISCRETION wird sich über den Bereich des Kinderschutzes hinaus bewegen und wichtige Einblicke geben in die Ausgestaltung von Handlungsspielräumen in allen Feldern, in denen sowohl öffentliche als auch nationale Interessen zu deuten sind.

 

Leitende Forscherin ist Professorin Marit Skivenes. Für das DISCRETION Projekt wurde Skivenes der „ERC Consolidator Grant“ zuerkannt. Der ERC Consolidator Grant ist konzipiert, um exzellente Principal Investigators (PIs) zu unterstützen bei der Etablierung ihres unabhängigen Forschungsteams und -programms. Leitende Forscherinnen (PIs) müssen mit ihrem wissenschaftlichen Vorhaben bahnbrechenden Chararkter, Zielsetzungen und Machbarkeit aufweisen. Die Forschungsausschreibungen des European Research Council operieren auf einer ‘bottom-up’-Basis ohne vorgegebene Prioritäten und Schwerpunkte. Sie ermutigen insbesondere interdisziplinäre Anträge, die Grenzen überschreiten zwischen verschiedenen Forschungsbereichen, neue und sich entwickelnde Forschungsfelder in Pionierarbeit betreten oder unkonventionelle, innovative Herangehensweisen und wissenschaftliche Erfindungen umsetzen.

 

Das SOCLES ist assoziierter Partner im Projekt.

 

Gefördert / Finanziert durch:

Kontakt:

Dr. Thomas Meysen

T +49 (0)6221 655 81-01

meysen@socles.de

Beurteilungsspielräume und das Kindeswohl im Kinderschutz

Laufzeit: 2017 bis 2022

Forschungszentrum: Center for the Research on Discretion and Paternalism

Leitung: Prof. Dr. Marit Skivenes, University of Bergen

Internationaler Vergleich zu nationalen statistischen Erhebungen sowie darauf aufbauender Formen der Berichterstattung zu Gefährdungsmeldungen und -einschätzungen als Maßnahmen zur Umsetzung des hoheitlichen Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung

Laufzeit: Juli 2017 bis März 2018

Projektnehmer: Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V.

 

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, weltweit vorhandene nationale Statistiken und Forschungsdaten zu Gefährdungsmeldungen und Gefährdungseinschätzungen zu identifizieren. Anhand der erlangten Datensätze wird geprüft, inwieweit die jeweiligen nationalen Daten und das Kinderschutzsystem des zu betrachtenden Landes einen Vergleich mit Auswertungsdimensionen der amtlichen Statistik zu § 8a SGB VIII ermöglichen. Mit dem Ziel einer vergleichenden Gegenüberstellung relevanter Kennzahlen und Indikatoren wird eine Expertise mit den möglichen und tatsächlichen Auswertungsperspektiven der in anderen Staaten verfügbaren Daten erstellt. Hierbei werden die vorhandenen oder im Rahmen des Auftrags recherchierbaren Informationen über das ausländische System und dessen Verfahren der Informationsweitergabe/Meldung sowie Gefährdungseinschätzung beschrieben. Die Expertise beschreibt hierbei insbesondere

  • die Erhebungsmerkmale und -zeiträume,

  • relevante Melder(gruppen),

  • die Erhebungs- bzw. Berichtsrhythmen,

  • das Vorhandensein und die Verfügbarkeit der Daten,

  • Grundzüge des nationalen Kinderschutzsystems.

In der Expertise werden rechtlich-organisatorische sowie, soweit möglich, sozio-kulturelle Parameter dargestellt, die bei einem Vergleich der Zahlen zwischen den Systemen ggf. zu berücksichtigen sind. Außerdem werden erste Hinweise gegeben und Hypothesen aufgestellt zur Deutung von Mustern, Ähnlichkeiten und Divergenzen.

Das Projekt wurde im Rahmen der „Entwicklung eines kleinräumigen Indikatorensystems Frühe Hilfen“ durch den Forschungsverbund DJI/TU Dortmund beauftragt. Sie wird gefördert vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das NZFH wird getragen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI). Projektnehmer ist das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF). Die Durchführung der Erhebung, deren Auswertung und die Erstellung der Expertise erfolgten durch Dr. Thomas Meysen, auch nach Ende der Beschäftigung beim DIJuF zum 31. Dezember 2017.

Gefördert / Finanziert durch:

Kontakt:

Dr. Thomas Meysen

T +49 (0)6221 655 81-01

meysen@socles.de